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Christof Sielecki erhält den Titel "Internationaler Meister" vom Weltschachverband FIDE

"Alle Wasser laufen ins Meer, aber manchmal nicht unbedingt auf direktem Wege." Frei nach Prediger 1, 7.

Die ersten beiden Bausteine zu seinem Titel legte Christof schon 1997 in Ungarn. Dort wandelte er in den Spuren von Aljechin, Nimzowitsch, Tartakower, Colle und Gruenfeld, als er sich für fast einen Monat in der ungarischen Kleinstadt Kecskemét aufhielt, um dort Turniere zu spielen. Gleich zwei IM-Turniere hintereinander galt es zu absolvieren. Ein guter Start ist immer hilfreich, gerade in Normenturnieren, damit der Druck gegen Ende nicht zu groß wird. Christof gewann die ersten sechs Partien! Danach war die Norm fast nur noch Formsache, mit einigen Remis und einem Sieg wurde alles unter Dach und Fach gebracht.

Im unmittelbar folgenden zweiten Turnier war dann alles nur noch eine Kür, da schon eine Norm ein tolles Resultat gewesen wäre. Die tolle Form hielt aber an und das nötige Glück war auch dabei, als er einen russischen IM trotz eines Figureneinstellers noch schlagen konnte. Am Ende stand dann auch noch eine zweite Norm, wie im ersten Turnier ungeschlagen! Jetzt fehlte eigentlich nicht mehr viel zum Titel, nur eine weitere Norm war noch nötig.

Wenige Tage nach den Turnieren in Ungarn begann allerdings für Christof das Arbeitsleben und damit auch der Zeitmangel für Turniere, der damit einher geht. Chancen für die letzte nötige Norm gab es dennoch einige. In der Bundesligasaison 2005 fehlte ein halber Punkt am Ende - trotz zweier Siege gegen Großmeister. Zwei Jahre später spielte Christof erneut eine starke Saison, was nach heutigen Regularien der FIDE eine dicke Norm wäre, damals leider noch nicht. Im Jahre 2009 schließlich war es besonders unglücklich, als in der letzten Runde der niederländischen Mannschaftsmeisterschaft Christof nur noch VERLIEREN mußte, aber wegen Krankheit nicht antreten konnte. So standen nur acht Partien zu Buche, es sind aber leider neun Pflicht. So waren leider die tollen acht Runden nichts wert am Ende.

Die nächste Chance kam, als der SV Voerendaal, Christofs Verein in den Niederlanden, sich für die europäische Vereinsmeisterschaft, - in anderen Sportarten auch Champions League genannt -, qualifizierte. Wie in den meisten anderen Sportarten auch kann ein Schachspieler nur Mitglied in einem Verein sein. Allerdings gilt diese Einschränkung nur je Nation. Wer es nicht weit zur Landesgrenze hat, kann auch Mitglied in einem Verein des Nachbarlandes werden. Je mehr Spielstärke, um so weniger spielt die Entfernung zur Grenze eine Rolle. Langer Rede, kurzer Sinn: Christof spielt in der 1. Mannschaft von Voerendaal an einem der vorderen Bretter. Und so reiste er im September 2011 zusammen mit der Mannschaft von Voerendaal zur Europameisterschaft nach Rogaska Slatina in Slowenien. Natürlich bot das Turnier die Möglichkeit, die heißbegehrte 3. Norm zu erwerben, aber nicht automatisch. Das Schweizer System bedeutet, dass nur bei starken Ergebnissen auch ausreichend gute Gegner zugelost werden. Als Mannschaftsturnier kommt es hierbei auch nicht auf Christofs Leistung alleine an, die gesamte Mannschaft muß ausreichend gut spielen, und Voerendaal trat beim Turnier mit einer reinen Amateurmannschaft an (etwa so stark wie die aktuelle Mannschaft des SV Dinslaken). Weiteres Zittern war also angesagt. Das gilt um so mehr, als die Mannschaft nach sieben Runden nur drei Zähler auf dem Mannschaftskonto hatte, ein Sieg und eine Punkteteilung standen fünf Niederlagen gegenüber. Christofs Gegnerschnitt betrug 2373. Ein ausgeglichenes Ergebnis reichte also nicht. Glücklicherweise spielte Christof selbst hervorragend und holte 4½ von 7 Punkten. Damit konnte er seine Performance über die benötigten 2450 Punkte heben.

Die Norm war also erreicht, und Christof kramte seine beiden etwas angestaubten Normen aus seiner Bibel hervor, in der sie seitdem als Lesezeichen dienten, und reichte diese zusammen mit der letzten Norm beim Weltschachbund ein. Leider aber tritt der Weltschachbund nicht extra wegen eines Titelantrags zusammen. Für den Fidekongress in Krakau Mitte Oktober 2011 kam der Antrag zu spät, so mußte er also bis zur Fide-Präsidiumssitzung im Februar 2012 warten, bevor sein Antrag zur Beurteilung kam. Nicht zu glauben, wieviel Wasser durch den Rhein paßt, bevor es endlich Februar ist. Dann war er endlich da, aber die Gesichter von Christofs Fans in Dinslaken wurden länger und länger, als Christof nach der Sitzung immer noch zu den Normalsterblichen zählte, und das, obwohl andere Antragssteller nachweislich geadelt wurden.

Der Weltschachbund gab keine genaue Erklärung ab, lediglich, daß Dokumente fehlen, um dem Antrag zustimmen zu können. Es schien so zu sein, daß er nochmals bis zum FIDE-Kongress in Istanbul warten müsste, dann flatterte jedoch ganz unverhofft eine E-Mail am 15. Juli in Christofs Postfach, die die Titelverleihung bestätigte! Wie sich herausstellte, gab es bei einem Gegner in den Unterlagen eine Namensgleichheit, die für Verwirrung gesorgt hatte... also letztlich eine kleine Formalität, die Monate und eine Menge Nerven kostete. Direkt am gleichen Tag konnte man auf der FIDE-Webseite dann nachlesen, daß der Titel verliehen wurde (siehe http://ratings.fide.com/card.phtml?event=4620437).

Der SV Dinslaken gratuliert hierzu ganz herzlich.