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SV Turm Kamp-Lintfort I - SV Dinslaken II 3,0 : 5,0

Regionalliga, Runde 7 am 29. Januar 2017



Für den Berichterstatter war die Anreise diesmal ein Abenteuer. Kamp-Lintfort ist leider nicht der Nabel der Welt des öffentlichen Nahverkehrs. Und vor Ort in der Vinnstr. war es nicht ganz einfach, das neue Spiellokal der Gastgeber zu finden. Ich bin einmal ums Haus herumgegangen und habe jede einzelne der gefühlten 1.000 verschlossenen Eingangstüren ausprobiert. Die allerletzte Türe war es dann. Erkennbar übrigens an dem Schild, das leider nicht von der Hauswand hervorsticht. Christof traf etwa eine Stunde später ein und erlebte dasselbe Abenteuer. Wer sich jetzt fragt, warum ich mit Verspätung vor Ort eintraf: Ich habe gar nicht mitgespielt. Derzeit habe ich eine vorübergehende Formschwäche und habe MF Norbert gebeten, ins zweite Glied treten zu dürfen. Eine gute Entscheidung, denn an dem Morgen erwachte ich mit Brummschädel. Damit hätte ich keine zwei aufeinanderfolgenden sinnvollen Züge produzieren können. Das war aber unser einziger Ausfall, den Norbert durch eigenen Einsatz ausgleichen konnte. Die Gegner vom Tabellenende dagegen traten in nomineller Bestbesetzung an, in der Hoffnung, dem Abstiegstod noch einmal von der Schippe springen zu können.

Zunächst endete die Partie von Jörg Riekenbrauk an Brett 5 gegen Jona Ratering. Jörg spielte sein altbekanntes System herunter. Er erhielt eine Stellung mit leichtem, aber keineswegs zum Sieg ausreichendem Vorteil. Und diese Charakterisierung behielt die Stellungsbewertung den ganzen Partieverlauf über. Folgerichtigerweise endete sie mit dem Friedensschluss. ½:½

Als nächstes trudelte das Ergebnis von Kai Waldmann an Brett 4 ein. Kai war gegen Rüdiger Nurkowski-Bürkle in ein ihm unbekanntes System geraten. Nach ein paar nur leicht suboptimalen Zügen standen seine Figuren unharmonisch. Der Gegner verzichtete auf die Rochade, und ging Kais Königsstellung stattdessen mit ein paar strengen Zügen an. Kai dachte gerade, er hätte sich konsolidiert,...

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... da opferte der Gegner überraschend – für Kai und den Berichterstatter – seinen Turm auf h7. Und das Opfer sah leider auch höchst korrekt aus, eine Annahme, die durch die PM-Analyse sogar noch erhärtet wurde. Kai lehnte das Opfer also folgerichtig ab, aber mit der Macke in der Königsstellung war Matt nur noch mit Damenopfer zu vermeiden. ½:1½

Weiter ging es an Brett 3: Danny Franke hatte gegen Heinz-Dieter Bosser mit Weiß immer bequemes Spiel, so zumindest sah es der Berichterstatter. Der Computer gibt stattdessen über weite Teile des Mittelspiels dem Gegner einen signifikaten Vorteil. An einer Stelle konnte Danny allerdings seine Schwerfiguren auf der Linie des gegnerischen Königs vertripeln. Das sah allerdings nach Meinung des Computers stärker aus, als es war. Der Rechner gibt immer noch Vorteil an den Gegner. Dieser sah sich allerdings – vermutlich in horrender Zeitnot – genötigt die Qualität zu geben, um den Angriff abzuwehren. Danny nahm die Qualität, und der Gegner gab umgehend auf. 1½:1½

In Führung brachte uns dann Roland Drescher, der mit seiner Leistung gegen Jochen Esser sehr zufrieden war. Und seine Partie an Brett 6 ist ein weiterer Fall, warum der Berichterstatter froh war, heute nicht spielen zu müssen: In einer Situation dachte Dritter aus seiner erhöhten Kiebitzposition: Jetzt kann Roland im Zentrum mit Se4 durchbrechen. Aber Roland zog stattdessen die Dame zurück. Er hatte nämlich gesehen, dass das genannte Manöver eine unangenehme Riposte herausgefordert hätte.
Stattdessen erzwang Roland zielstrebig den Generalabtausch und konnte gleichzeitig die gegnerische Bauernstruktur beschädigen. Schließlich landete er in einem Springerendspiel mit je zwei Bauern auf dem Königsflügel und einem entfernten Freibauern auf der a-Linie. Diesen konnte er so mit dem Springer bewachen, dass der gegnerische König an die Verteidigung der a-Linie gebunden war. Mit dem eigenen König konnte Roland dann am Königsflügel den Springer ausmanövrieren und dort einen weiteren Bauern gewinnen. Mit zwei Freibauern blieb dem Gegner nichts anderes übrig, als die Niederlage einzugestehen. 2½:1½

Ungefähr zeitgleich endeten die Partien an den Brettern 7 und 8. Norbert Raygrotzky hatte es am Schlußbrett mit Konrad Schmidt zu tun. Schon in der Eröffnung wurde sein a-Bauer gegen den gegnerischen b-Bauern getauscht. "Prima", dachte der Berichterstatter: "Bessere Bauernstruktur, offene Linie für den Turm." Und wieder lag er daneben. Der Gegner machte aus der Not eine Tugend, preschte mit dem Randbauern vor, und setzte Norbert damit unter Druck. Norberts Stellung blieb zwar lange Zeit noch haltbar, aber unter dem Dauerdruck geschah dann der Fehlzug, der Gegner brach am Damenflügel durch und holte sich taktisch entscheidenden Materialvorteil: 2½:2½

Dafür konnte Timo Volkmann an Brett 7 gegen Mario Schubert den Vorsprung wieder herstellen. Timo gelang es bei offenem Zentrum, beide Türme auf der 7. Reihe unterzubringen. Und auch sein weißfeldriger Läufer schaute neugierig in die gegnerische Königsstellung. Um ein Matt zu verhindern mußte der Gegner mehrere Bauern abgeben. Da das Druckspiel auch danach nicht nachließ, war das Ergebnis folgerichtig: 3½:2½

Die Partie von Philip Brockhaus gegen Johannes Westermann von Brett zwei ist mir ein völliges Rätsel. Sie war sehr taktisch, und beidseitige akute Drohungen waren zu beachten und richtig einzuschätzen. Glücklicherweise gibt es Computer. Dieser erstellt eine hübsche Grafik über den Partieverlauf: Demnach hatte Philip fast durchgängig Vorteil, der sich zum Ende hin vergrößerte. Zusammen mit der gegnerischen Zeitnot führte dies folgerichtig zum vollen Punkt und dem Matchgewinn. 4½:2½

Da die Entscheidung im Kampf bereits gefallen war, einigten sich die beiden Spitzenspieler Konstantin Cebulla und Gunter Hagen jetzt rasch auf den Friedensschluss. Der Computer gibt dem Gegner in der Schlussstellung einen leichten Vorteil von 0,2 Punkten. 5:3

Der Abstiegskampf stellt sich für die Mannschaft folgendermaßen dar: Mit nur einem Mannschaftspunkt aus zwei noch folgenden Runden sind wir unabsteigbar. Und auch wenn wir nichts mehr holen, müssen weitere ungünstige Umstände zusammenkommen. Erstens: Aus der über uns liegenden NRW-Klasse müssen beide abstiegsbedrohten NSV-Mannschaften scheitern. Zumindest eine Mannschaft hat aber noch Aussichten auf den Klassenerhalt. Außerdem muß zweitens entweder Wesel oder Ratingen beide Runden gewinnen (Wesel muß noch zusätzlich den Brettpunkterückstand aufholen). Das erscheint aber eher unwahrscheinlich, denn beide Abstiegskonkurrenten treffen noch auf den Aufstiegskandidaten Düsseldorf, der den Tabellenzweiten auf Abstand halten muß und daher keine Geschenke zu verteilen hat.

Im Anschluss an den Kampf war die halbe Mannschaft noch anwesend und in Feierlaune. Wir durchsuchten die Lintforter Innenstadt nach einer Lokalität, die uns gastfreundlich empfangen würde, und wurden fündig in der Trattoria Enrico, nahe dem neuen Rathaus. Es war Jörg, der diese Auswahl traf, und diesmal hat er voll unseren Geschmack getroffen, es war dort wirklich lecker.

[Bericht: Dirk Stoppacher]