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SV Dinslaken - SF Schöneck

Runde 9 am 10. April 2016


SV Dinslaken steigt nach knapper Niederlage gegen SF Schöneck aus der 2. Bundesliga West ab

Bereits zum Start der Zweitligasaison wurde beim Studium des Spielplans ausgemacht, dass das Match gegen Schöneck in der vorletzen Runde höchstwahrscheinlich entscheidende Bedeutung haben würde. Diese Annahme sollte sich dann einige Monate später bestätigen: Beide Mannschaften steckten im Abstiegskampf und Sieg oder Niederlage war gleichbedeutend mit Abstieg oder Klassenerhalt. Wir hatten tatsächlich ein lupenreines Endspiel vor uns. Schöneck würde mit einem Sieg sicher drin bleiben, die Dinslakener Mannschaft höchstwahrscheinlich.

Wie erwartet traten beide Mannschaften komplett an. Das bedeutete auch, daß ein seltener Fall eintrat: Auf beiden Seiten war eine Vorbereitung auf einen speziellen Gegner möglich. Normalerweise haben die Dinslakener Gegner hier immer einen Vorteil, da unsere Aufstellung sehr vorhersehbar ist, während die meisten anderen Teams ihre Aufstellung aus dem Kader "zusammen würfeln". Wie sah die Bestandsaufnahme nach Spielbeginn aus? Klappt die Vorbereitung? Hier der Überblick:

Brett 1: GM Jan Krejci - IM Christof Sielecki
Hier war eine Vorbereitung sehr schwierig, da der tschechische Großmeister in Schönecker Diensten absolut alle Eröffnungen mit Weiß spielt. Christof brachte bereits im 2. Zug eine Überraschung, war dann aber auch selber schnell "aus dem Buch". Nach gut einer Stunde entstand eine Stellung, in der Christof etwas schlechter, aber solide stand.

Brett 2: IM Benjamin Tereick - IM Hagen Poetsch
An Brett 2 hatte es IM Benjamin Tereick mit IM Hagen Poetsch zu tun. Mit Weiß sollte hier etwas Druck gemacht werden, was leider nicht funktionierte. Der Schönecker Spieler wählte eine geschickte Zugfolge, die Benjamin Schwierigkeiten machte. Hier war schon früh eher Schadensbegrenzung das Motto.

Brett 3: IM Michal Konopka - IM Thomas Trella
Hier kam die vorbereitete Variante auf's Brett. IM Michal Konopka hat ein enges, aber sehr gut ausgearbeitetes Repertoire mit den weißen Steinen. Thomas konnte sich hier praktisch die Variante heraus picken, die ihm am besten gefiel. Früh hatte er auch schon etwas Bedenkzeitvorteil; es sah danach aus, als ob hier zumindest eine kleine Überraschung gelungen war. Allerdings war die gesamte Spielanlage außerordentlich solide, so daß hier das Gleichgewicht nicht gestört war.

Brett 4: IM Guido Kern - IM Sven Telljohann
An Brett 4 wich Guidos Gegner IM Sven Telljohann recht früh von seiner vorher gespielten Varianten ab. Guidos Antwort machte einen logischen und überzeugenden Eindruck, allerdings sah es bereits wenig später nicht so schlecht für die schwarze Seite aus. Weiß hatte eine solide Stellung - aber keine klaren Ansatz, wie hier Fortschritte zu erzielen sind.

Brett 5: FM Thomas Heinatz - FM Bernhard Stillger
Hier klappte die Vorbereitung perfekt. FM Thomas Heinatz bleibt seinen Varianten treu - somit konnte Bernhard recht sicher erraten, was der Gegner spielen würde. Nach wenigen Zügen begann dann aber der Schönecker Spieler Zeit zu nehmen und kam dann mit der Stellung nicht gut zurecht. Bernhard hatte bereits die angenehmere Position und mehr Restbedenkzeit.

Brett 6: Johannes Mundorf - FM Enrico Marchio
Johannes brachte eine Variante auf's Brett, die er vorher noch nie gespielt hatte. Die Überraschung hatte durchaus Erfolg, da sein Gegner sich nicht auskannte und nicht optimal reagierte. Allerdings kannte Johannes den besten Aufbau dagegen auch nicht, sodaß hier - aller Vorbereitung zum Trotz - ab Zug 5 beide Spieler selber denken mussten. Weiß stand etwas angenehmer, aber etwas klares war auch nicht zu sehen.

Brett 7: Moritz Nazarenus - Rainer Ossig
Rainer Ossig hatte einen etwas überraschenden Gegner. Mit Moritz Nazarenus konnte er nicht rechnen, da dieser erst einen Saisoneinsatz in der ersten Runde gehabt hatte. Rainer reagierte mit einem soliden Aufbau, der zu einer für Weiß etwas besseren Stellung führte. Hier war die Vorbereitung also erfolglos, was allerdings keine dramatischen Folgen hatte.

Brett 8: Andreas Walter - Kai-Christian Meyer
Durch den Spielertausch an Brett 7 auf seiten von Schöneck hatte auch Andreas Walter einen Gegner, den er nicht auf der Rechnung hatte. Das machte allerdings nichts aus, da sein Gegner die Eröffnung nicht gut behandelte und früh in Nachteil war. Andreas hatte mehrere gute Optionen und wandelte seinen Eröffnungsvorteil in eine langfristige Initiative um. Vielleicht war hier auch früh noch mehr drin, aber auch so konnte man hier zufrieden sein.

Unterm Strich lief das Match also recht ausgeglichen an. Auf Dinslakener Seite sah es gut bei Bernhard Stillger und Andreas Walter aus, während Schöneck Vorteile an Brett 2 und einige etwas bequemere Stellungen hatte (Bretter 1 und 7).

Nach rund 2½ Stunden gab es dann eine Entwicklung am Spitzenbrett. Mittlerweile hatte Christof Sielecki ausgeglichen und bot dann seinem Gegner ein Remis an. Sein Gegner lehnte dieses ab, beging aber wenige Züge später einen Fehler und mußte dann plötzlich sehr genau spielen. Als er das bemerkte, bot er seinerseits die Punkteteilung an. Da Christof aber kaum noch eine Gefahr für sich sah, spielte er natürlich weiter. GM Jan Krejci fand dann die eben erwähnte präzise Verteidigung nicht und kam in Schwierigkeiten.

Unterdessen hatten sich die Stellungen an Brett 3 und 4 vereinfacht. Hier wurde dann bei bereits deutlich reduziertem Material Remis vereinbart. 1:1

Leider konnte Benjamin Tereick am zweiten Brett die Schwierigkeiten ausgangs der Eröffnung nicht überwinden und sah siche einem starken Angriff ausgesetzt. Er mußte dann wenig später die Waffen strecken und somit den Gästen die Führung im Match erlauben: 2:1 für Schöneck.

Das sah erstmal nicht optimal aus, aber noch war nichts entschieden. Dinslaken war an Brettern 1, 5 und 8 mittlerweile am Drücker. Bernhard Stillger hatte einen Bauern gewonnen, Andreas Walters Gegner stellte die Qualität ein und Christof Sielecki hatte auch Gewinnchancen. Grosse Probleme hatte mittlerweile allerdings Johannes Mundorf. Sein Gegner Enrico Marchio hatte sich langsam aus der etwas passiven Eröffnungsstellung befreit und bekam eine unangenehme Initiative. Rainer Ossigs Partie war interessant und recht unklar - hier erschien jedes Ergebnis möglich. Alles in allem war nur klar, daß nichts klar war. Es würde auf ein enges Resultat hinaus laufen, aber wer letzten Endes die Nase vorn haben würde, war kaum zu sagen.

Kurz vor der Zeitkontrolle dann eine Enttäuschung für Dinslaken: Bernhard Stillgers Partie endete nur mit einem Remis - das war ein klar vergebener halber Punkt nach einseitigem Spielverlauf. 1½:2½

Wenig später fielen dann zwei weitere Entscheidungen: Christof Sielecki konnte sein besseres Endspiel für sich entscheiden, Ausgleich für Dinslaken. 2½:2½

Der Ausgleich hatte leider nur kurzen Bestand, da Johannes Mundorf seine Stellung nicht zusammen halten konnte. 2½:3½

Damit war Schöneck wieder in Führung und dem Sieg nahe. Es liefen noch zwei Partien mit klarer Ausgangslage für Dinslaken: nur zwei Siege konnten das Match noch drehen! Bei Betrachtung der Positionen keimte leider nur wenig Hoffnung auf. Andreas Walter hatte immer noch eine Gewinnstellung, die aber technisch nicht ganz trivial war. Hier war also durchaus ein Sieg in Reichweite. Das Hauptproblem des Projekts Heimsieg war allerdings die Partie von Rainer Ossig. Rainer hatte seine Stellung sauber gespielt, aber Gewinnmöglichkeiten gab es absolut keine. Es sah also maximal nach einem 4:4 Unentschieden aus.

Am Ende kam es sogar noch dicker, da Andreas seine Partie nicht gewinnen konnte und somit nach zwei Remisen das Match noch verloren ging. Der Endstand nach hartem Kampf war also 4½:3½ für die Gastmannschaft aus Hessen, die damit die Klasse halten kann - Gratulation!

Durch die Niederlage im Abstiegsendspiel muß Dinslaken nach nur einem Jahr in der Zweiten Bundesliga den Abstieg hinnehmen. Das Spiel in der letzten Runde am 24.04. bei DJK Aufwärts Aachen hat keinerlei Bedeutung mehr. Einen ausführlichen Saisonrückblick wird es erst nach dieser letzten Runde geben - trotzdem an dieser Stelle mal eine Kennzahl dieser Saison: insgesamt wurden nur fünf(!) Partien in 7 Matches gewonnen - da verwundert es nicht, daß am Ende nur zwei Mannschaftspunkte auf der Habenseite stehen. Trotz dieser eigentlich verheerenden Bilanz war es sehr knapp - ein Brettpunkt mehr gegen Schöneck und man hält die Klasse. Es war noch nie so einfach in der Zweiten Liga zu bleiben... daß es trotzdem nicht gereicht hat, zeigt klar, daß wir einfach überfordert waren.

[Bericht: Christof Sielecki]