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Dinslaken steigt in die 2. Bundesliga auf! Ein 4:4 bei SG Porz II reicht zur Sensation!

Oberliga, Runde 9 am 26. April 2015

Wenn man heutzutage eine Zeitung aufschlägt oder sich auf Internetseiten nach Neuigkeiten umsieht, stößt man immer mehr auf den Begriff "Sensation" - selbst bei Nachrichten, die eigentlich keinen mehr überraschen. Was allerdings jetzt am Ende dieser Saison gefeiert werden kann, ist in der Tat sensationell: der Aufstieg in die zweite Bundesliga ist perfekt! Um das mal einzuordnen: in der nächsten Saison geht es dann gegen Spieler wie Loek Van Wely, Jan Timman oder Dr. Robert Hübner - und diese Spieler sitzen nicht etwa alle am ersten Brett.

Wie lief dieser letzte Spieltag der Oberliga und wie war die Ausgangslage? In der Oberliga gibt es Zwei Aufsteiger, von denen einer bereits klar war. Mülheim Nord war nicht mehr einzuholen, aber der zweite Platz war noch völlig offen. Hier der Blick auf die Tabelle nach Runde 8:


Rang Mannschaft Punkte
Aufstiegsplätze: 1. Mülheim-Nord II 13

2. Dinslaken 11
Mittelfeld: 3. Plettenberg 10

4. Klub Kölner SF (KKS) 9

5. Düsseldorfer SK 9

6. SG Porz II 9

7. Würselen 9
Abstiegsplätze: 8. Wattenscheid 8

9. PSV Duisburg 2

10. Lieme 0


In der letzten Runde spielten wir gegen SG Porz II, die im Falle einer klaren Niederlage durchaus noch absteigen konnten. Der direkte Verfolger Plettenberg spielte beim Klub Kölner SF, die ihrerseits mit einem Sieg aber auch noch Aufstiegschancen hatten, falls wir Porz unterliegen sollten.

Für Dinslaken standen folgende Szenarien zur Debatte:

1. Wir gewinnen gegen Porz => Aufstieg
2. Wir spielen gegen Porz 4:4 => Ein 4½:3½-Sieg der Plettenberger würde bereits für uns reichen. Mit einem 5:3-Sieg gegen KKS aber zieht Plettenberg an uns vorbei.
3. Bei einem Verlust gegen Porz gäbe es für uns nur sehr theoretische Chancen auf den Aufstieg.

Das Ergebnis in der Begegnung KKS-Plettenberg war also sehr wichtig. Glücklicherweise halfen uns

frankhamann_2008.jpgFrank Hamann und


norbertraygrotzki_september2013.jpgNorbert Raygrotzki als Abordnung bei KKS, sowie



joergriekenbrauk_juli2011.jpg?cs=b23f8637c68e8f0683049f992be2f9647f7000bede69b74f70a8079af79f64c82c2a22a1ad12ec1b20039e5f0667cf7eaa8e7e99782804610b1615c57f73b726&derivate=usage%3DposterJörg Riekenbrauk als Nachrichtenempfänger. Vielen Dank an die drei Helfer, die uns immer auf dem laufenden hielten!



Da es für Porz noch um den Klassenerhalt ging, wurden auch von den Gegnern keine Kompromisse bei der Aufstellung gemacht. Beide Teams traten in Bestbesetzung an - der Porzer Spieler mit der Rangnummer 14 spielt nie.

thomastrella_april2013_2.jpg?cs=e6ce759e252e406623e56185f6ac7db0a9a3fe7bc24ac87b4ea91ec325a4dfdbf0b3a9a2454e8202d7ea14e4b0e9fc24df0cb7c2d52b45a98c90fd29a6a3fb81&derivate=usage%3DposterKurz nach Anpfiff endete auch schon die erste Partie. Thomas Trella erhielt an Brett 2 von seinem Gegner Stanislav Korotkjevich ein Remisangebot bereits nach wenigen Zügen. Es war eine sehr ruhigeStellung auf dem Brett und das Angebot hatte sicher auch damit zu tun, daß beide seit langer Zeit befreundet sind. Ein Remis mit Schwarz war aus Sicht des Matches in Ordnung, somit also nach kurzer Zeit ½:½.

Nach rund zwei Stunden Spielzeit erhielten wir die ersten Nachrichten vom Match der Konkurrenten, nur wenige Kilometer entfernt auch in Köln. KKS war schlecht angetreten (ohne die Nummern 1 bis 3!) gegen ein topbesetzte Plettenberger Mannschaft, die mit einem Grossmeister und 3 Internationalen Meistern angereist war. Uns rutschte erstmal das Herz in die Hose - aber laut Frank und Norbert hatten die Kölner Underdogs an fast allen Brettern zum Teil grosse Vorteile erzielt! Das gab etwas Hoffnung, daß uns vielleicht auch ein 4:4 reichen könnte.

christofsielecki_april2013_2.jpg?cs=f72c34fb5f08185c0c4f9dfd0e66aa54a9647020633986f22f5b439fa76d5cd98aaeeed0e312019cefa4a6133d88c4e43fc009ae3dff8c65f308c95e406c762e&derivate=usage%3DposterZu diesem Zeitpunkt war unser Match in etwa ausgeglichen, vielleicht mit leichten Vorteilen für uns. IM Christof Sielecki und IM David Miedema hatten eine komplizierte Stellung auf dem 1. Brett, die schwer einzuschätzen war. Christof hatte einen Mehrbauern aus der Eröffnung, den der Gegner im Stile des Wolgagambits gegeben hatte. Dafür hatte er es mit aktiven Figuren und Spiel im Zentrum zu tun.

guidokern_april2013_2.jpg?cs=137427a31b5d059de337e19fdac0ec43f5a8432ad00e16ff6a05bb8a9e9e15d16be0c051700f833117363a9d05a74d0ae77250bfbed1138bb5107adeab982c4c&derivate=usage%3DposterIM Guido Kern hatte an Brett 3 einen bequemen, zumindest leichten Vorteil gegen IM Vitaly Malykin. Eine risikoarme Vorteilsposition ist für wichtige Matches immer angenehm, da man mit mindestens einem halben Punkt kalkulieren kann ... mit Hoffnung auf mehr, wenn der Gegner etwas falsch macht.

johannesmundorf_april2013.jpg?cs=e24988ac7c6a47820bf68ea3f326038a7259e27ed9677992cf54b6510f4c05d0053e4a01fe17856a63919d670d64904a30f2057af7aa2e4602ab383678c4365b&derivate=usage%3DposterJohannes Mundorf spielte wie schon in der Vorsaison gegen FM Patrick Peschlow und verteidigte sich am 4. Brett Französisch. Ausgangs der Eröffnung hatte Johannes einen Bauern angeboten, der allerdings nicht genommen wurde. Dies wäre wohl die kritische Fortsetzung gewesen - stattdessen stand nach rund 2 Stunden auf dem Brett alles sehr geschlossen, und die Partie sah schwer nach Remis aus.

In der Partie der beiden FMs Bernhard Stillger und Norbert Gallinnis hingegen brannte das 5. Brett. Bernhards Gegner hatte eine zweifelhafte Eröffnung gewählt und war zunächst unter Druck geraten; dann jedoch wurde die Lage sehr undurchsichtig. Hier war alles möglich.

Rainer Ossig hatte es an Brett 6 mit Carlo Pauly zu tun - dem Spieler auf Porzer Seite, der sich binnen der letzten Jahre am deutlichsten verbessert hatte. 200 Punkte DWZ in zwei Jahren sind kein Pappenstiel. - Rainer kam nicht gut aus der Eröffnung und geriet unter Druck, allerdings ist der Stonewall dem Namen entsprechend schwer zu knacken.

andreaswalter_januar2014.jpgAndreas Walter an Brett 7 hatte eine gute Stellung aus der Eröffnung gegen Uwe Wagenknecht aber auch etwas Probleme, einen guten Plan zu finden, da die Lage sehr geschlossen war.


konstantincebulla_april2013.jpg?cs=dfe6ba5f04f94b21eeadc2c1d25e66c1f8f730bc6495e0da3db0152718cfd669f1020f65d826fb9f94b005d03ffc4563346950152b858f32aa48b405b6fffeae&derivate=usage%3DposterKonstantin Cebulla hatte es an Brett 8 mit Xu Xianliang zu tun, der bereits früh seine aggressiven Pläne auf den Tisch legte: bei heterogenen Rochaden ging es früh zur Sache. Konstantins Position machte allerdings einen soliden Eindruck.


Etwas später dann, bei beginnender Zeitnotphase, fiel die erste Entscheidung des Matches: Christof gewann seine Partie, nachdem sein Gegner eine taktische Sequenz falsch eingeschätzt hatte. Wir waren also in Führung mit 1½:½!

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Andreas stand mittlerweile sehr schlecht, sein Gegner hatte klar die Oberhand am Königsflügel gewonnen. Konstantin war auch unter Druck, sowohl auf dem Brett als auch auf der Uhr. Bernhard stand plötzlich auf Verlust - das sah alles nicht gut aus!
Unterdessen erreichte uns allerdings die Nachricht, dass KKS tatsächlich 2:0 gegen Plettenberg in Führung war... somit könnte uns also ein 4:4 tatsächlich reichen.

rainerossig_april2013_2.jpg?cs=c3de67912f8f363f579a6e5388c5764c53e1aff4c85a71607dd82e00a9d69cf4b64a6fed17710d0ea0730484fb88987cfa6c201828fb9a6f4226366fb54ae45a&derivate=usage%3DposterEs gab zum Glück auch Positives auf unseren Brettern zu sehen. Rainer Ossigs Gegner hatte die schwerblütige Stellung bei beiderseitig knapper Zeit zu früh geöffnet und Rainer so die Gelegenheit zu einem Konter gegeben. Rainer hatte aus dem Nichts plötzlich gefährlichen Angriff und gute Chancen auf einen Sieg.

Insgesamt sah es trotzdem nicht gut aus, zudem Guido nach präziser Verteidigung seines Gegners dem Remis zustimmen musste. 2:1

Ebenso friedlich ging auch Johannes' Partie aus, wir lagen also knapp in Führung, ... 2½:1½

... hatten aber grosse Probleme an den letzten vier Brettern noch zumindest 1½ Punkte zum Mannschaftsremis zusammenzukratzen.

Mittlerweile Kunde von KKS-Plettenberg: 3-0 für die Kölner! Damit war es zu 99% sicher, dass uns ein Mannschaftspunkt reicht. Plettenberg hätte jetzt schon alle verbleibenden Partien gewinnen müssen... und danach sah es laut Frank und Norbert beileibe nicht aus.

Dann die Bestandsaufnahme bei uns nach der Zeitnot: Andreas musste leider aufgeben, ... 2½:2½

... dafür konnte Rainer seine Zeitnotschlacht gewinnen und hielt uns damit in Führung. 3½:2½

Und noch zwei Partien offen. Konstantin verwaltete ein leider hoffnungsloses Endspiel, so dass sich unsere Hoffnung auf den goldenen halben Punkt auf Brett 5 konzentrierte. Der Verlauf dieser Partie zwischen Bernhard und Norbert Gallinnis war wirklich verrückt. Wie auch immer es passiert ist ... aber aus der totalen Verluststellung für Bernhard war mittlerweile ein Endspiel entstanden, dass völlig unklar war. Bernhard verfügte zwar über eine Mehrqualität, aber sein Gegner hatte gefährliche Freibauern. Der Dinslakener Spieler bot dann "testweise" ein Remis an, das allerdings abgelehnt wurde! Der Gegner wollte unbedingt gewinnen, goß im weiteren Verlauf mächtig Öl ins Feuer und wich sämtlichen Remisfortsetzungen aus.

Mittlerweile hatte Konstantin die Segel streichen müssen. 3½:3½.

bernhardstillger_september2013.jpgNach über sechs Stunden Spielzeit und einem wahren Nervendrama zeichnete sich dann ab, dass der Porzer Spieler an Brett 5 seine Stellung bei den Gewinnversuchen überzogen hatte. Jetzt hätte eher noch Bernhard gewinnen können, aber es gab zum Gewinnversuch die sichere Alternative, einfach alles bis auf die blanken Könige wegzuholzen. Mit dieser maximal undramatischen Stellung - zwei Könige ohne weiteres Material - endete also diese denkwürdige Saison. Das 4:4 gegen starke Porzer war der spannende Schlusspunkt unter eine wirklich mit Fug und Recht sensationell zu nennende Saison.

1. Runde: 5:3-Sieg gegen PSV Duisburg: Ein klarer Sieg gegen einen "potentiellen Abstiegskonkurrenten".
2. Runde: 4:4 gegen KKS: Ein Match mit Höhen und Tiefen, das beide Teams hätten gewinnen können. Am Ende kam Bernhard mit einer Marathonpartie zum Ausgleich.
3. Runde: 4:4 gegen Düsseldorfer SK: Im Match gegen den Tabellenführer hatten wir die Nase eigentlich klar vorne, konnten jedoch am Ende nur eine Punkteteilung erreichen.
4. Runde: 4:4 gegen Würselen: Würselen spielte gegen uns in Topaufstellung - in anderen Begegnungen fehlten zum Teil alle Topspieler. Trotzdem am Ende eine Punkteteilung, wo sogar noch mehr drin war.
5. Runde: 4½:3½-Sieg gegen Wattenscheid: Das Schlüsselspiel in der Saison und Konstantins grosser Moment: bei sieben Remis gelang ihm der einzige, entscheidende Sieg. Hier war für Guido und phasenweise für Christof noch mehr drin, also ein verdienter Sieg.
6. Runde: 2½:5½-Niederlage gegen Mülheim Nord II: Das Aufstiegsfinale ging gegen Nord II klar verloren. Ein schwacher Kampf von uns, aber extrem starker Auftritt der späteren Aufsteiger aus Mülheim.
7. Runde: 4½:3½-Sieg gegen Plettenberg: Ein Match mit unfassbarem Verlauf. Thomas Trellas Gegner läuft in ein Selbstmatt anstelle des Dauerschachs - ein Geschenk, dass die schon geschlossen geglaubte Türe zur zweiten Liga unerwartet einen Spalt weit öffnete.
8. Runde: 6:2-Sieg gegen Lieme: Eine klare Sache gegen den Tabellenletzten. Da die Konkurrenz sich gegenseitig die Punkte abjagte, waren wir nach dieser Runde erstmals in der Saison auf Platz 2!
9. Runde: 4:4 gegen Porz II: Wir zitterten den minimalen Vorsprung nach Hause, auch dank tollem Spiel der Kölner Schachfreunde gegen Plettenberg steht am Ende der Aufstieg in die zweite Bundesliga.

[Bericht: Christof Sielecki, Bilder: Archiv]