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Dinslaken I - SF Gerresheim 1 4,5 : 3,5

Oberliga, Runde 3 am 19. November 2017


Knapper, aber verdienter 4,5:3,5-Erfolg gegen die Schachfreunde Gerresheim


In der dritten Runde der Oberliga NRW sollte endlich der erste Sieg her. Nach den enttäuschenden Auswärtspartien gegen Münster und Wattenscheid feierte die erste Mannschaft zudem ihr Heimdebut in der neuen Spielstätte im Hiesfelder Schulzentrum. Unterstützt durch die treuen Schlachtenbummler Thomas Rauer, Simon Knuf, Bernd Schwagrowski, Philipp Sonnenschein und Familie Borchert konnte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder?

Zunächst einmal der Check der Aufstellungen: Wir traten in guter Formation an, nur Thibault Real aus Belgien war wegen Belgischer Liga nicht dabei. Eine große Überraschung dann allerdings seitens der Gerresheimer: der Tabellenführer brachte nur eine deutlich geschwächte Formation an den Start, sodass die Favoritenrolle überraschend bei uns lag. Nur am ersten Brett hatte Gerresheim ein leichtes Ratingplus vorzuweisen, an allen anderen Brettern waren wir zumindest auf dem Papier knapp Favorit.

Das Match begann auch gleich recht vielversprechend. Am ersten Brett spielte IM Christof Sielecki mit Schwarz gegen GM Andrei Orlov eine grundsolide Eröffnung, die dem Gerresheimer offenbar nicht schmeckte. Nach einigem Nachdenken in den ersten Zügen wählte der Großmeister eine wenig ambitionierte Fortsetzung und die Partie verflachte schnell. Ein Remis nach 18 Zügen war die Folge, was sicher als gutes Resultat zu werten war – waren wir doch an allen anderen Brettern wie erwähnt leicht zu favorisieren. ½:½

Etwas später gab es dann ein weiteres Remis. IM Thomas Stomberg spielte mit den schwarzen Steinen gegen Mykyta Volkov, der die Partie betont sicher angelegt hatte. Der Gerresheimer machte sich keine Schwächen oder gab Thomas irgendwelche Ansatzpunkte für aktives Spiel. Zum Zeitpunkt des Remisschlusses gab es wirklich keine Aussichten auf mehr als einen halben Punkt, also ging das Resultat sicher in Ordnung. 1:1

So blieben jetzt also noch sechs Partien über, wobei wir dabei vier mal mit Weiß spielten. Und tatsächlich sah es in allen Weißpartien ganz gut aus. IM Benjamin Tereick hatte eine bequeme und sicher zumindest leicht bessere Stellung gegen Jermo Kooijmans. Johannes Mundorf hatte es mit FM Ulrich Dresen zu tun, der sich solide, aber auch etwas passiv aufstellte. Hier konnte man sicher zufrieden sein. Auch etwas besser aus der Eröffnung war Rene Borchert gegen Jan Selten gekommen. Schwarz hatte hier wenig Spiel und Weiß sicher die leichtere Partie. Am achten Brett spielte Alexander Nent mit Weiß gegen Markus Köhler. Aus einem Maroczy-Aufbau hatte Alexander genau den bequemen leichten Vorteil erzielt, den die Lehrbücher immer mit klassischen Partien demonstrieren. Die beiden Schwarzpartien waren zusammen genommen nicht so erfreulich. Philipp Welzel kam gegen Toon van Lanen in der Eröffnung etwas unter Druck, konnte die Probleme dann aber lösen. Er war allerdings so in Zeitrückstand geraten. Rainer Ossigs Gegner Marko Sponheim legte die Partie sehr sicher an und bemühte sich um schnellen Figurenabtausch. Rainer verbrauchte einiges an Zeit, um die Partie nicht völlig verflachen zu lassen. Hier rechneten wohl die meisten Zuschauer eher mit einem Remis.

Man näherte sich langsam der Zeitkontrolle – und bei einigen Brettern waren die Zeitverbräuche sehr unterschiedlich. Benjamin Tereick hatte viel Zeit verbraucht, da er aus der optisch guten Stellung verständlicherweise etwas konkretes machen wollte. Leider gab es immer irgendwo eine Verteidigung für den Gegner, der so gegen Ende sogar etwas Oberwasser zu bekommen drohte. Benjamin hatte sehr wenig Zeit und musste sich plötzlich sogar noch verteidigen. Johannes hatte auch nicht das beste getroffen und sah sich plötzlich mit einer Doppeldrohung konfrontiert. Das Beste war noch den wichtigen d4-Bauern abzugeben. Hier war Ulrich Dresen im Vorteil und wohl auf der Siegerstraße. Ähnlich schlecht sah es leider auch bei Philipp Welzel aus. Nachdem er die leichten Probleme in der Eröffnung hatte lösen können, beging er einen Fehler und ließ dem Gegner wieder die Oberhand. Die entstehende Stellung war nachteilig und sehr unangenehm zu spielen. Also nur schlechte Nachrichten? Zum Glück nicht, denn an den letzten drei Brettern hatte sich alles prächtig entwickelt. Rene Borchert hatte eine Gewinnstellung, ebenso wie Rainer Ossig, dessen Gegner die Abwicklung in ein verlorenes Endspiel zugelassen hatte. Alexander Nent hatte auch einen großen Vorteil. Er hatte einen Bauern mehr im Endspiel und die deutlich aktiveren Figuren. Hier hatte sich der weiße König die ganze Partie über im Zentrum aufgehalten, was im Endspiel dann sehr vorteilhaft war.

Mit einiger Erleichterung wurde dann das Remis von Benjamin am zweiten Brett aufgenommen. Die Stellung war wohl immer OK gewesen, aber man wird als Zuschauer immer nervös, wenn nur noch der Zeitzuschlag den eigenen Spieler vor der Zeitüberschreitung bewahrt. 1½:1½

So hatten wir jetzt 3 Remis in den Büchern. Das währte aber nicht lange, da durch Rene und Rainer dann die vollen Punkte kamen. So lagen wir dann mit 3½:1½ in Führung.

Hört sich komfortabel an, aber so einfach war die Lage nicht. Wie schon befürchtet gingen dann die Partien von Johannes und Philipp verloren. 3½:3½

So erreichte Gerresheim den Ausgleich und bei nur noch einer laufenden Partie hing alles von Alexanders Endspieltechnik ab. Hier stand ein reines Turmendspiel auf dem Brett, bei dem nicht nur ein Mehrbauer, sondern auch der viel aktiviere König auf der Habenseite stand. Alexander spielte diese Stellung sauber zu Ende und sicherte uns so den ersten Sieg in der Oberliga 2017/18.


Insgesamt würde ich den Sieg als verdient bezeichnen. 4½-Punkte-Siege sind immer eng, aber die Gewinnpartien waren doch vergleichsweise deutlich. Bei den Remisen war für Gerresheim auch nichts wirklich klares zu sehen, sodaß unterm Strich das Resultat in Ordnung geht. Wir haben jetzt 3:3 Punkte und ein ausgeglichenes Brettpunktekonto. Man sieht deutlich, wie ausgeglichen die Oberliga in dieser Saison ist. Den Tabellenführer Bochum 02 trennen vom Tabellenletzten Oberhausen 6 Mannschaftspunkte, aber nur 3 Brettpunkte!

Zum Jahresabschluss spielen wir gegen Bahn Wuppertal, wie alle Matches in dieser Liga ist alles offen. Für uns wird es wieder ein richtungsweisendes Spiel: mit einem Sieg orientiert man sich nach oben, gibt es eins auf die Mütze heißt es: Bangen um den Klassenerhalt bis zum Ende.

[Bericht: Christof Sielecki]