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III Open Internacional LLucmajor 2014, Mallorca, Reino de España

10. - 18. Mai 2014

Nachtrag: Bericht von Jörg Riekenbrauk

Der vegetarische Tiger sitzt gerade in seiner Mittagspause auf dem Balkon des Hotel-Appartments in Warschau und versucht sich ein zweites Mal an einer Ergänzung des netten Berichts von Christof. Der erste Versuch verschwand im Nirwana, nachdem ich mehrere Wodkas investiert hatte, um möglichst wahrheitsgetreu wiederzugeben, was uns in Mallorca widerfahren ist. Allein, das Netz der Hotelbar in Posen meldete "bad request" und meine Bemühungen waren ähnlich erfolgreich wie in der ersten Partie gegen GM Movsziszian.

Ich fand das Turnier von meinen Partien her durchweg interessant. Allerdings waren die Gegner entweder deutlich besser oder deutlich schlechter - bei Christof hielt sich das schon eher im Rahmen. Die Spielbedingungen waren ok, Rainer würde neben den Holzfiguren den hohen Frauenanteil positiv vermerken. Ich kenne das allerdings von den Turnieren in Polen und Frankreich; es ist eher so, dass der Frauenanteil beim deutschen Schach sehr gering ist.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass man das weibliche Äquivalent zu Leuten wie den Grossmeistern Plaskett oder Lalic nicht findet. Bei Plaskett kann man nur vermuten, dass er seine Trainingshose in einem unbemerkten Augenblick unter einer Autobahnbrücke entwendet hat - sie dürfte ähnlich wie der Anzug von GM Lalic seitdem keine Reinigung mehr erfahren haben.

Ähnlich exzentrische Spielerinnen sind nicht zu finden, dafür ist der Glamour-Faktor bei der weiblichen Fraktion deutlich höher. Ich war sehr angetan von meiner Gegnerin Olga Dolzhikova und auch von der spanischen Nachwuchsspielerin Irene Nicholas Zapate, zu der der aus Dinslaken stammende Schachfreund Achim Müller gehässigerweise behauptetete, sie könne meine Enkelin sein. Das war allerdings nach einer Niederlage, einige Tage vorher hatte er noch philopsophisch bemerkt, "da möchte man nochmal 16 sein...".

Also, wie man sieht, hatten wir einigen Spass. Das Essen war gut und wurde in der Regel auch noch um ein Uhr nachts serviert - zur Diät eignet sich dieses Turnier eher nicht. Auch empfiehlt es sich, noch einen Urlaubstag dranzuhängen - insbesondere nach den letzten beiden Runden (Remis nach Mitternacht gegen WGM Olga Dolzhikova, anschliessend rasches Essen und Vernichtung des gekauften Weins, 9.30 gegen WIM Agniezka Clement-Haumichblau mit einem Finale, bei dem sich der Hustenreiz ständig steigerte wie die Musik in Griegs "In der Halle des Bergkönigs" aus Peer Gynt; da hätte ich einen weiteren Tag Urlaub doch sehr genossen statt um ein Uhr nachts nach Hause zu kommen und um zehn vor neun wieder einen ICE zu besteigen).

Ansonsten bleibt anzumerken, dass der Geräuschpegel während des Turniers nicht übermäßig hoch war - ganz empfindlich sollte man allerdings auch nicht sein. Die Temperaturen waren ja auch moderat, da habe ich Kärnten letztes Jahr viel schlimmer empfunden. Die relativ schnelle Spielzeit kannte ich bereits von den letzten Frankreich-Turnieren. Es hilft aber nicht, um nervöse Leute ruhiger zu stimmen.

Ich könnte auch am nächsten Donnerstag dem 29.5. (Feiertag, wenn ich das richtig sehe) die eine oder andere Partie vorstellen, falls jemand Lust hat.


Bericht von Christof Sielecki

Wir sind wieder im Lande - allerdings sind die Temperaturen auch nicht anders als auf Mallorca :-)

Die letzte Runde gestern fand um 9:30 Uhr statt, was angesichts der späten Endzeit der Runde zuvor ziemlich brutal war. Mit rund 3-4 Stunden Schlaf und 8 Runden "auf dem Tacho", wie Kollege Lehmann formulieren würde, war ich wirklich begeistert, das mein Remisangebot an GM Galego nach rund 30 Minuten Spielzeit angenommen wurde. Der sympathische Portugiese murmelte nur "too early!" und lachte.

Jörg hatte es erneut mit einer Gegnerin zu tun, die nominell deutlich überlegen war (Elo 2250). Die Partie verlief lange unspektakulär, aber nach und nach zeigten die kleinen Nadelstiche Wirkung und Jörg kam in Schwierigkeiten, derer er nicht mehr Herr werden konnte - somit leider eine Niederlage zum Abschluss.

So sieht unsere Bilanz in Zahlen aus:

Name joergriekenbrauk_juli2011.jpg
Jörg Riekenbrauk
Startrang 100
Elo 1947
Elo national 0
Elo intnational 1947
Eloperformance 2067
FIDE Elo +/- 12.9
Punkte 4.5
Rang 84
Föderation GER
Ident-Nummer 0
Fide-ID 4693264
Geburtsjahr 1963

Rd. Br. Snr Name Elo FED Verein/Ort Pkt. Erg.
1 12 13 GM Movsziszian Karen 2503 ARM 6.5 w 0
2 57 147 Vicens Company Maria Antonia 1721 ESP Blau Escacs 3.5 s 1
3 32 49 FM Quintin Navarro Alberto 2309 ESP 5.5 w ½
4 40 43 WGM Sudakova Irina 2356 RUS 6.0 s 0
5 57 153 Bin-Suhayl Ieysaa 1677 ENG 4.0 w ½
6 56 138 Savinova Yulia 1757 RUS 4.0 s 1
7 52 134 Manresa Ballester Guillermo 1799 ESP Campos 3.5 w 1
8 36 64 WGM Dolzhikova Olga 2225 NOR 4.5 s ½
9 36 60 WIM Matras-Clement Agnieszka 2254 POL 5.5 w 0

Jörgs Turnier verlief wirklich spektakulär. Am Ende steht ein Elo-Plus von 13 Punkten, was aber dem Inhalt der Partien nicht so wirklich gerecht wird.

In den Partien gegen GM Movszisian, FM Quintin und WGM Sudakova hatte er jeweils totale Gewinnstellungen, aus denen am Ende nur ein halber Punkt resultierte. Ein "Skalp" mit vollem Punkt wäre hier sicher das i-Tüpfelchen auf ein starkes Turnier gewesen. Alle nominell schlechteren Gegner schlug er deutlich, etwas unglücklich die Paarung gegen den Neunjährigen Briten, der sicher weit gefährlicher war als das Rating andeutet. Jörg wird sich sicher auch noch einmal äußern, ist aber heute schon wieder beruflich unterwegs.

Name christofsielecki_april2013_2.jpg
Christof Sielecki
Titel IM
Startrang 33
Elo 2405
Elo national 0
Elo intnational 2405
Eloperformance 2477
FIDE Elo +/- 12.3
Punkte 6
Rang 19
Föderation GER
Ident-Nummer 0
Fide-ID 4620437
Geburtsjahr 1974

Rd. Br. Snr Name Elo FED Verein/Ort Pkt. Erg.
1 31 125 Lazarte Anello David Emiliano 1857 ARG Blau Escacs 3.5 s 1
2 30 78 Nicolas Zapata Javier 2112 ESP 4.5 w 1
3 9 10 GM Kveinys Aloyzas 2547 LTU 6.0 s 1
4 3 8 GM Solodovnichenko Yuri 2574 UKR 7.0 w 0
5 20 67 FM Adel Lahchaichi Oussama 2213 ESP 5.0 s 1
6 9 18 GM Paunovic Dragan 2480 SRB 6.5 w ½
7 8 20 IM Castellanos Rodriguez Renier 2474 ESP 6.5 s ½
8 13 26 IM Gonzalez De La Torre Santiago 2451 ESP 6.0 w ½
9 14 22 GM Galego Luis 2462 POR 6.0 s ½

Ich bin mit dem Turnier voll zufrieden. Der Start war hervorragend mit dem Highlight gegen GM Kveinys, der sich allerdings mehr oder weniger selber umbrachte. Gegen Solodovnichenko war mehr drin, aber er hat das wirklich sehr gut gemacht - Elo um 2600 ist schon was. Runde 5 war eine klare Sache und ein wichtiges Ergebnis, um sich oben im Turnier fest zu setzen. Danach war ich in jeder Runde jeweils "untere Hälfte" und bekam Gegner, die zwar besser auf dem Papier waren, aber noch in Schlagdistanz. GM Paunovic in Runde 6 hätte ich aus der Stellung sehr gerne geschlagen, aber diese Leute sind zäh. Ich muss mir noch mal ansehen, wo ich da besser spielen konnte. Runde 7 war ein sauberes Remis, in Runde 8 war auch am Ende mehr drin, nachdem die Eröffnung eher mau war. Was klares ging aber auch nicht. Die letzte Runde war ja wie oben beschrieben praktisch kampflos.

Das Turnier hat gezeigt, dass eine GM Norm für mich noch recht weit weg ist. 2600 erspielen ist halt sehr schwer. Aber mal anders gesehen: ich habe ja sehr lange für die letzte IM Norm gebraucht (OK, ich hab nur Mannschaft gespielt, aber trotzdem) - nun habe ich die dritte IM Norm in Serie gespielt: Faaker See letztes Jahr, Oberliga NRW, LLucmajor. Diese "Normen" brauche ich zwar nicht mehr, ist aber trotzdem eine gute Bestätigung.

Zum Turner generell: ich kann das Turnier empfehlen und liste mal Pros/Cons auf:

- Guter Zeitpunkt im Jahr. Wetter warm, aber nicht brütend heiß, Arenal als Spielort noch nicht total von Touristen-Asis überlaufen. Die Deppen hat's zwar schon, aber man kann dem aus dem Wege gehen
- Man kann noch eine Menge tagsüber machen - Mietwagen sinnvoll
- prima Essen und genereller Urlaubswert
- Spielbedingungen für Bretter 28-90 gut (Klimaanlage)
- Raum für Topbretter 1-27 keine Klimaanlage, stickig
- Holzbretter für alle, bis auf wenige Ausnahmen am Tabellenende.
- alles pünklich und gut organisiert
- nur eine Doppelrunde
- ziemlich laut, da man schon mal die Fenster auf machen musste und dann der Lokal-/Partylärm reindringt
- extreme Zeiten! Die Runden begannen um 20:30 Uhr. Selbst mit der schnellen Bedenkzeit von 90min/Partie plus 30 sek Inkrement spielt man oft bis nach Mitternacht. Danach noch ein Bierchen und einen Happen Essen und man ist 3 Uhr im Bett. So kommt natürlich alles leicht durcheinander.
- die schnelle Bedenkzeit ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich fand es angesichts der Temperaturen und Rahmenbedingungen OK, aber man kann das nicht mit 7 Stunden Partien vergleichen. Es kann sehr leicht Schnellpartiecharakter bekommen, wenn beide früh Zeit investieren.

Vielleicht stellen Jörg und ich im Juni mal am Vereinsabend ein paar Partien vor. Wir müssen das noch besprechen.

[Bericht: Christof Sielecki, Fotos: Archiv]